Kommunikation - "Schlagfertigkeitstechniken für dich und deine Figuren"
(Bild: Midjourney AI)
Die Slight-of-Mouth Techniken
Dein Glück ist, dass du nicht der erste Mensch bist, der sich diese Frage stellt. Robert Dilts hat sich das auch schon gefragt und ein Buch darüber geschrieben, das sich "Die Magie der Sprache - Slight of Mouth" nennt. Slight of Hand ist das englische Wort für einen Taschenspielertrick. Die Art, bei der Karten verschwinden, wiedergefunden werden und genau die Karte oben liegt, die du dir verdeckt ausgesucht hast. Und das Schöne ist: diese Tricks funktionieren nicht nur mit Karten, sondern auch mit Sprache.
Im Folgenden habe ich mir ein Beispiel ausgedacht, du die verschiedenen Techniken zu illustrieren. In dem Fall geht es um etwas, was du dir als Autor vielleicht schon mal anhören musstest. Denn Slight of Mouth hilft nicht nur unseren Figuren, sondern auch uns selbst.
"Warum schreibst du denn überhaupt? Damit kann man nichts verdienen."
Muster 1: Positive Absicht
Hier wird dem Sprecher konsequent eine positive Absicht unterstellt und der Gedanke wird weitergesponnen. Damit wird dem Gegenüber erst mal der Wind aus den Segeln genommen.
Beispiel: "Ich finde es schön, dass du dich um meine finanzielle Sicherheit sorgst."
Muster 2: Umdefinieren
Das ist der Punkt, an dem Worte im Mund herumgedreht werden. Während man sich mit Muster 1 durchaus Freunde machen kann, ist Muster 2 eher dazu gedacht, Leute auf Abstand zu bringen.
Beispiel: "Findest du, man sollte nur Dinge tun, die Geld abwerfen?"
Muster 3: anderes Ziel
Nach dem Muster "Es geht nicht darum ..., sondern darum ..." lenkst du die Aufmerksamkeite deines Gegenübers auf etwas anderes.
Beispiel: "Es geht nicht darum, reich zu werden, sondern darum, Spaß zu haben."
Muster 4: Kriterienhierarchie
Lenke die Aufmerksamkeit deines Gegenübers auf etwas, das auf einer höheren Ebene steht: Werte, Visionen, Träume.
Beispiel: "Ist es nicht wichtiger, seine Träume zu leben, statt schnödem Mammon zu huldigen?"
Muster 5: Methapher
Verwende eine Analogie.
Beispiel: "Ein Hund rennt auch, wenn er kein Futter dafür kriegt."
Muster 6: Gegenbeispiel
Hier muss man aufpassen, dass man keine langwierige Diskussion anfängt. Denn das Gegenbeispiel kann schnell in Argumentationen ausarten.
Beispiel: "Steven King ist auch damit reich geworden."
Muster 7: Auf sich selbst beziehen
Nein, nicht auf dich, sondern auf den Sprecher. Halt ihm einen Spiegel vor. Das ist auch eines der etwas konfrontativeren Muster.
Beispiel: "Du zeichnst seit 10 Jahren Postkarten. Kannst du dir davon die Miete leisten?"
Muster 8: Meta-Aussage
Hier kommt das mit Abstand konfrontativste Muster. Bitte nur anwenden, wenn ihr der Person wirklich eins reinwürgen wollt. Man nennt es auch psychoanalysieren.
Beispiel: "Du hast doch nur Angst, dass ich mehr Erfolg haben könnte als du."
Muster 9: Realitätsabfrage
Mal ganz ehrlich, wir sagen oft Dinge, von denen wir keine Ahnung haben, ob sie wirklich stimmen. Deinem Gegenüber geht es wahrscheinlich genauso. Er/sie macht eine allgemeingültige Aussage, von der er/sie keine Ahunung hat, ob sie tatsächlich stimmt. Das stellst du hier in Frage.
Beispiel: "Woher weißt du denn, dass man mit dem Schreiben von Büchern kein Geld verdienen kann."
Muster 10: Größerer Rahmen
Ist die Aussage wirklich allgemeingültig? Für alle Menschen? Heute und in der gesamten Geschichte der Menschheit? Es ist an der Zeit, deinem Gegenüber mal vor Augen zu führen, dass er/sie nur einen Teil der Realität betrachtet.
Beispiel: "Es gibt eine ganze Menge erfolgreicher Autoren, die sehr gut davon leben können."
Muster 11: Herunterbrechen
Hier geht es darum, Einzelheiten aus der Aussage herauszupicken und diese zu hinterfragen.
Beispiel: "Ab welchem Betrag würde sich das Schreiben denn deiner Meinung nach lohnen?"
Muster 12: Verallgemeinern
Im Gegensatz zum letzten Muster wird die Aussage hier verallgemeinert und dann hinterfragt.
Beispiel: "Findest du, man sollte nur Dinge tun, die Geld abwerfen?"
Muster 13: Weltsicht
Betrachte die Aussage aus der Sicht eines Menschen, der eine andere Weltsicht hat.
Beispiel: "Andere Leute würden mich einen Visionär nennen, weil ich etwas tue, das mir jetzt noch kein Geld einbringt."
Muster 14: Konsequenz
Nimm an, dass zumindest ein Teil der Aussage stimmt und spinne dann die Konsequenzen davon weiter.
Beispiel: "Wenn ich jetzt aufhören würde, zu schreiben, was sollte ich denn deiner Meinung nach mit der freien Zeit anfangen?"
Du siehst, man kann auf diese Aussage verschieden reagieren. Natürlich fallen dir in einer Auseinandersetzung nicht alle 14 Möglichkeiten ein. Mir auch nicht. Aber deiner Protagonistin brauchen sie ja nicht jetzt sofort in dieser Millisekunde einzufallen. Der Leser weiß nicht, wie lange du gebraucht hast, um diesen Dialog zu schreiben. Du kannst dich tagelang damit befassen, was du jetzt schreiben willst. Und in dieser Zeit kannst du immer wieder auf meinen Blog zurückkommen und dich von meinen Beispielen inspirieren lassen.
Oder leg dir selbst in einer ruhigen Minute Listen von Möglichkeiten an, die du auf dumme Sprüche reagieren könntest. Ich wette, dir wird mindestens eine der 14 möglichen Arten einfallen, auf diesen Spruch zu reagieren.
Weitere Beispiele?
Es hat mir mehr Spaß gemacht, diese Übung zu machen, als ich zunächst dachte. Probier es einfach mal selbst aus. Welche dummen Sprüche nerven dich am meisten? Schreib es mir in die Kommentare. Ich habe Lust, nochmal so einen Blogbeitrag zu einem anderen Spruch zu machen.


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